Unser Gehirn ist ein Meisterwerk. Mit seinen Milliarden Nervenzellen und unzähligen Synapsen ist es das komplexeste Organ, das wir kennen. Früher glaubte man, dass Lernen im Alter kaum möglich sei. Heute wissen wir es besser. Das Gehirn verändert sich bis zum letzten Tag. Es passt sich an, baut neue Verbindungen auf und ermöglicht uns, auch im hohen Alter Neues zu lernen. Diese Fähigkeit nennt sich Neuroplastizität.
Unsere Gedanken beeinflussen dabei die gesamte Körperchemie. Positive Gedanken setzen Botenstoffe frei, die uns aufrichten und stabilisieren. Dopamin und Serotonin gehören dazu, oft als Glückshormone bezeichnet. Negative Gedanken und Stress hingegen lösen andere Stoffe aus, die uns in Alarmbereitschaft versetzen. Der Körper reagiert also direkt auf das, was wir denken.
Der Placebo-Effekt ist ein gutes Beispiel dafür. Menschen spüren Verbesserungen, obwohl sie eine wirkstofflose Behandlung erhalten. Es gibt sogar Studien mit Scheinoperationen, die zeigen, wie stark der Einfluss der inneren Überzeugung sein kann. Wenn das Gehirn etwas glaubt, dann folgt der Körper häufig. Unsere innere Apotheke ist aktiver und mächtiger, als viele vermuten.
In einem bekannten Experiment wurden Zimmermädchen in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe bekam erklärt, dass ihre tägliche Arbeit einen Trainingseffekt hat – wie Sport. Die andere Gruppe erhielt keine weitere Information. Die Ergebnisse waren erstaunlich. Jene, die an den Trainingseffekt glaubten, verbesserten ihren Blutdruck und ihre Körperwerte, obwohl sie rein objektiv nichts an ihrer Arbeit veränderten.
Das Gehirn hat eine Besonderheit: Es kann kaum unterscheiden zwischen echter Realität und gedanklicher Realität. Wenn wir etwas intensiv vorstellen, reagieren die gleichen Regionen, als würde es tatsächlich passieren. Genau deshalb ist Visualisierung im Profisport so wichtig. Sportler gehen Abläufe im Kopf durch, bis ihr Körper sie fast automatisch ausführt.
Ein berühmtes Beispiel ist Roger Bannister, der die Meile unter vier Minuten lief, nachdem Experten es für unmöglich gehalten hatten. Er visualisierte den Lauf immer wieder und brach schließlich die Grenze – und kurz darauf schafften es viele weitere Läufer. Ein verändertes Denken kann Grenzen verschieben.
Untersuchungen zeigen auch, dass ein Großteil unserer täglichen Gedanken negativ ist. Diese Negativität beeinflusst unsere Stimmung, unsere Entscheidungen und unsere Gesundheit. Achtsamkeit hilft, das zu durchbrechen. Wer bewusst wahrnimmt, trainiert den Geist wie einen Muskel. Positive Einstellungen können sogar den Alterungsprozess beeinflussen.
Forscher wie Becca Levin fanden heraus, dass eine lebensbejahende Einstellung die Lebensdauer verlängert und das Risiko für Alzheimer reduzieren kann. Positives Denken wirkt bis in unsere Zellen hinein, bis zu den sogenannten Telomeren, den Schutzkappen unserer DNA, die sich bei Stress schneller verkürzen.
Gedanken formen unser Leben. Ein bewusster Umgang mit ihnen kann mehr verändern, als viele glauben.
Sei achtsam mit dem, was du denkst. Deine Gedanken können dich schwächen, aber sie können dich auch aufrichten. Sie sind einer der stärksten Kräfte in deinem Leben.
Dein Ralf



